Dienstag, 11. Februar 2014

Kommunalpolitiker in OWL für ungebremste Naturzerstörung / Naturschützer entsetzt über "Detmolder Erklärung"

Die Bezirkskonferenz Naturschutz hat am 14. Februar 2014 entsetzt auf die Stimmen aus vielen Kommunen und aus der Wirtschaft reagiert, eines der wenigen konkreten Ziele des Entwurfs zum Landes-Entwicklungsplan (LEP) zum Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen zu bekämpfen. Der LEP-Entwurf der Landesregierung strebt an, den Flächenverbrauch im Land NRW bis 2020 auf im Durchschnitt 5 Hektar am Tag zu begrenzen. In einer „Detmolder Erklärung“ haben zahlreiche Lokalpolitiker und die Industrie- und Handelskammer eine Wahlkampf-Kampagne gegen die Begrenzung der Boden- und Naturzerstörung entfacht. Am 28. Februar 2014 hat das Landesbüro der Naturschutzverbände NRW zum LEP-Entwurf kritisch Stellung genommen.


Nach Auffassung der ostwestfälischen Naturschützer gilt der Flächenverbrauch derzeit als Umweltproblem Nr. 1 in Ostwestfalen-Lippe und in NRW. In NRW sind bereits ca. 25 % des ganzen Landes mit Beton und Asphalt versiegelt. Täglich kommen neue Flächen dazu, die der Natur und damit den Lebensräumen von Mensch, Pflanze und Tier, der Grundwasserneubildung, der Filterung von Schadstoffen, der Produktion von Lebensmitteln und erneuerbaren Energien, der Luftreinhaltung und -Zirkulation usw. entzogen werden. „Jetzt beabsichtigt die Landesregierung, diese ultimative Naturzerstörung auf 5 ha am Tag zu begrenzen, und Kommunalpolitiker sehen den Untergang des Abendlandes kommen.“  meint dazu Karsten Otte, Sprecher der Bezirkskonferenz. „Das sind 5 große Fußballfelder am Tag, 50 000 Quadratmeter, oder 1825 Hektar im Jahr und damit fast die gesamte Fläche einer Kommune wie  Hiddenhausen im Jahr, jedes Jahr! Die Initiatoren dieses Appels haben offenbar nicht bedacht, dass wir nur eine einzige Erde haben, die man auch nur einmal zerstören kann. Diese Kampagne entlarvt all die bigotten Flächenspar-Bekundungen in den Sonntagsreden als Heuchelei.“

Als wesentliches Motiv der Kommunalpolitiker werden die Strukturen der Gemeindefinanzierung über die Gewerbesteuer angesehen. Wer Ackerböden und andere naturnahe Flächen für Gewerbe verbraucht, wird mit Gewerbesteuereinnahmen belohnt. Eine Reform dieser Gemeindefinanzierung ist seit Jahrzehnten überfällig – was sowohl von der Landwirtschaft wie vom Naturschutz gefordert wird. Die Wiederverwertung von einmal überbauten Flächen (Flächenrecycling) muss vielmehr belohnt werden. Otte: „Es ist nicht einzusehen, dass bei sinkender Bevölkerungszahl noch mehr wertvoller Freiraum verkonsumiert wird!“

Auch einige Wirtschaftsvertreter sein mit diesem Appell schlecht beraten: auf der einen Seite möchten sie sich mit „Nachhaltigkeit“ und „Corporate Social Responsibility (CSR)“ schmücken, wenn es aber wirklich darum geht, zu einer verbindlichen Höchstmenge an jährlich und unwiederbringlich zerstörtem Boden zu kommen, verhielten sie sich wie in längst vergangenen Zeiten. „Moderne Unternehmen gehen sehr sparsam und rücksichtsvoll mit dem Boden um – Appelle für mehr Flächenverbrauch kommen mir so vor wie der Aufschrei der Faustkeil-Industrie bei der Einführung des Metalls!“ meint dazu Karsten Otte.

Die Naturschützer kritisieren allerdings den LEP-Entwurf aus anderen Gründen: Viele Ziele würden nur als schwammige Absichtserklärung ohne konkrete Zielbeschreibung und ohne Maßnahmen zu deren Erreichung aufgeführt. Letzteres gelte leider auch für das 5-Hektar-Ziel. Am Freitag, dem 14. 2. ab 15 Uhr tagt die Bezirkskonferenz Naturschutz in der Hochschule OWL in Detmold zu diesem Thema.

Kontakt:
Karsten Otte
Sprecher der Bezirkskonferenz Naturschutz OWL
Heidestr. 42
32120 Hiddenhausen
Tel. 05223 / 83400


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen